Schlechte Zeiten für den Deutschen Tennis Bund
Die Situation ist bedrückend und das Prinzip Hoffnung die Losung. Dem krisengebeutelten deutschen Tennis stehen stürmische Zeiten bevor, in denen sich Wohl und Wehe des einst wohlhabenden Verbandes entscheiden werden.
Pleite oder doch eine Renaissance mit Wimbledonsieger Michael Stich als Leitfigur ist die Frage. Ausgerechnet der 40-jährige Hamburger, dem jahrelang die sportlichen Widersacher Boris Becker und Carl-Uwe Steeb vorgezogen wurden, soll die Wende in eine gute Zukunft mit ebnen.
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Die Zeiten für den Deutschen Tennis Bund (DTB) sind so schlecht, die finanzielle Situation so bedrohlich und die öffentliche Reputation dermaßen aufgebraucht, dass sich die DTB-Spitze um Präsident Georg von Waldenfels des einstigen Weltstars erinnerte und dessen Hilfsangebot nicht mehr ablehnen mochte. Unterschrieben sei zwar noch nichts, betont von Waldenfels, doch der DTB kann es sich ganz offenbar nicht mehr leisten, Stichs gute Kontakte zur hanseatischen Wirtschaft zu nutzen.
Die erste Bewährungsprobe im Tennis-Überlebenskampf steht Mitte Juli allerdings vor einem Gericht in den USA an. Dann startet das Revisionsverfahren gegen die Spielerorganisation ATP wegen der Herabstufung des Rothenbaum-Turniers. Den Status als Masters-Veranstaltung wird es zwar nicht zurückgeben, aber eine stattliche Abfindung in Millionenhöhe scheint wahrscheinlich zu sein. Sogar eine außergerichtliche Einigung ist nicht mehr unmöglich, wenn die ATP nach der Trennung von ihrem zum Jahresende scheidenden Präsidenten Etienne de Villiers eine neue Führung hat und schon jetzt kompromissbereiter auftritt.
'Wenn es eine Chance gibt, sich friedlich zu einigen, ist das immer besser', hegt von Waldenfels Hoffnungen auf ein einvernehmliches Ende des in erster Instanz verlorenen Rechtsstreits. Der erhoffte Schadensersatz würde den DTB aus den größten finanziellen Nöten befreien, was freilich ohne ein neues Hoch im sportlichen Bereich nur von kurzer Dauer wäre.
Die Zeit nach den arrivierten, aber in die Jahre gekommenen Thomas Haas, Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler, der als Wimbledon- Halbfinalist ein atemberaubendes Comeback feierte, schwirrt nicht nur im Kopf von Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen umher. Der 25-jährige Philipp Kohlschreiber nimmt dabei eine zentrale Rolle ein - auch für das Erstrundenmatch vom 6. bis 8. März in Garmisch-Partenkirchen gegen Österreich.
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Von bitter-süß bis skeptisch-sauer reicht die Befindlichkeit von Sportdirektor Klaus Eberhard hinsichtlich des Nachwuchses. Bei den Damen richtet sich der Blick auf die zu neuen Höhenflügen gestartete Anna-Lena Grönefeld und die weiter aufstrebende Sabine Lisicki, die Deutschland im Vorfeld der Australian Open mit Nicolas Kiefer beim Hopman-Cup in Perth vertreten wird. Großer Hoffnungsträger bei den Herren ist der Hamburger Mischa Zverev, dem Kühnen den Sprung unter die besten 50 und mehr zutraut. 'Ich bin bereit für den nächsten Schritt', sagt der in Moskau geborene 21-Jährige in der ihm eigenen erfrischend ehrlichen Art.

