Völlige Umgestaltung der Formel 1
So viel Einigkeit war nie in der Formel 1. "Weniger Kosten, mehr Spannung" - unter diesem Motto krempeln Teams und Max Mosley, Präsident des Internationalen Automobilverbandes FIA, derzeit gemeinsam die Königsklasse um. Jahrelang waren Mosley und die Rennställe in Sachen Reformen erbittertete Gegner gewesen, nun zwingt sie die Weltwirtschaftskrise und der Ausstieg von Honda an einem Strang zu ziehen. Mosley gibt den Takt vor, Teams und Hersteller spielen mit, wie jetzt bei einem Treffen der Teamvereinigung FOTA in London.
Trotz des im Dezember verabschiedeten größten Sparpakets in der Geschichte der Formel 1 hatte Mosley die Teams im Vorfeld aufgefordert, die Kosten noch mehr zu senken. "Nur so kann die Formel1überleben", hatte er FIA-Präsident gemahnt. Die Teamvereinigung unter Vorsitz von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo reagierte prompt und verabschiedete weitere weitreichende Sparmaßnahmen. Die Teams einigten sich darauf, schon von diesem Jahr an die Nutzung der Windkanäle zu verringern. Zudem werden kostengünstigere Getriebe für die Saisons 2010 bis 2012 entwickelt. Diese Bauteile sollen eine Laufzeit von sechs Rennen haben und 1,5 Millionen Euro pro Jahr pro Team kosten.
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Außerdem verpflichteten sich die Hersteller ab 2010 einen Motor anzubieten, der die unabhängigen Teams nur noch 5 Millionen Euro pro Jahr koten soll. Und das Sparen geht weiter: "Die technische Arbeitsgruppe der FOTA wird nun über die Verbannung teurer Materialien entscheiden und weitere Einsparungsmöglichkeiten bei Bauteilen und Systemen suchen, die keinerlei Leistungsunterschied bringen", hieß es in der offiziellen Erklärung der FOTA nach dem Treffen in London. Mosleys Sparpläne gehen sogar noch weiter.
"Gleiches Geld für alle", heißt die neueste Forderung des FIA-Präsidenten. "Die Idee, dass jedes Team gleich viel Geld zur Verfügung hat, womit der Erfolg durch intellektuelle Fähigkeiten errungen werden muss, hat einen großen Reiz", schrieb der Engländer. "Das wäre ein faires System." Die Kosten müssten so stark heruntergefahren werden, dass unabhängige Teams vom Geld des Formel-1-Managements FOM von Bernie Ecclestone und moderaten Sponsorengeldern leben könnten. Gleichzeitig soll es auf der Strecke spannender werden. "Die Fans beklagen mangelnde Überholmannöver und wollen mehr Rad-an-Rad-Duelle sehen", mahnte Mosley.
Eine Idee hat Mosley auch schon: verstellbare Frontspoiler. Mit einer solchen Technik wurde bereits in den 1960er Jahren in der Formel 1 experimentiert. "Ein Auto wurde damals vom Windschatten regelrecht ins Schlepptau genommen. Das Ergebnis waren echte Rad-an-Rad-Duelle auf sogenannten Windschatten-Kursen wie zum Beispiel Monza", schwärmt der FIA-Präsident. Allerdings gab es damals aufgrund der variablen Flügel auch viele Unfälle. Daraufhin wurden variable Aerodynamik-Bauteile 1970 verboten. Ab der kommenden Saison sind in begrenztem Rahmen wieder bewegliche Aerodynamikteile erlaubt.
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So darf der Pilot die Leitbleche an den Frontflügeln pro Runde zwei Mal im Rahmen von maximal sechs Grad verstellen. Mosley glaubt jedoch, dass das noch nicht ausreicht. "Wenn solche Justiermöglichkeiten radikal genug sind, dann wird ein Auto im Windschatten einen ordentlichen Vorteil haben", ist sich der FIA-Boss sicher. Ausgiebige Tests und moderne Technologie sollen die Sicherheit garantieren und zudem die Spannung auf der Strecke maßgeblich verbessern. "Mit moderner Technologie könnte ein Auto nach Bedarf auf mehr Anpressdruck oder höhere Windschlüpfrigkeit getrimmt werden. Das Ergebnis wären enge Rennen auf allen Strecken", glaubt Mosley. Fahrer und Fans dürfen gespannt sein.

